Halberstadt von Genossenschaftseuphorie erfasst

eine der ersten Wohnsiedlungen in Halberstadt-Ost

Das ist längst kein Einzelschicksal. Nach dem 1. Weltkrieg ist Halberstadt von einer Genossenschaftseuphorie erfasst. Sicher trägt die miserable wirtschaftliche Lage dazu bei, dass der genossenschaftliche Leitgedanke der gemeinschaftlichen Selbsthilfe auf fruchtbaren Boden fällt. Ab 1918 entstehen in rascher Folge oft inspiriert und organisatorisch von Gewerkschaften getragen mehrere Genossenschaften. Es sind dies

  • der Halberstädter Bau- und Sparverein "Vorwärts"
  • die Bauarbeiter-Bau-Genossenschaft "Selbsthilfe" Halberstadt
  • die Halberstädter Bauvereinigung für Beamte und Angestellte
  • die Siedlungsgenossenschaft für Kriegsbeschädigte
  • die Kriegs-Wohnungsbaugenossenschaft

Im Osten Halberstadts bauen die Mitglieder erste Genossenschaftssiedlungen (Bild).

Die große Zahl der Neugründungen hat auch mit den veränderten politischen Rahmenbedingungen zu tun. Die Weimarer Republik bedeutet für den gemeinnützigen Wohnungsbau den Durchbruch. Endlich werden in den Ministerien Wohnungsabteilungen gebildet, und der Wohnungsmarkt richtet sich an sozialen Zielstellungen aus. In Groß- und Mittelstädten steigt der Anteil des gemeinnützigen Wohnungsbaus an der jährlichen Bautätigkeit auf bis zu 50 Prozent.

Doch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten jener Jahre blasen den meisten Genossenschaften das Lebenslicht schnell wieder aus, und nur wenige Neugründungen überleben Massenarbeitslosigkeit und Inflation.